HIV

Post-Corona: Paradigmenwechsel in der HIV-Politik?

Bereits zum vierten Mal wurde beim Tagesspiegel Fachforum Gesundheit ein Blick auf die HIV-Politik in Deutschland geworfen. Im Fokus der Veranstaltung am 13. Juli 2021 standen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verbunden mit der Frage, ob es bei der Bekämpfung von HIV und AIDS einen Paradigmenwechsel benötigt.

Aufzeichnung der Veranstaltung am 13. Juli 2021

Status Quo im Kampf gegen HIV

Deutschland hat in den vergangenen Jahren erfreuliche Fortschritte beim Kampf gegen HIV erzielt und befindet sich insgesamt auf einem guten Weg. Dies bestätigte Bertram Häussler vom IGES Institut bei seiner Präsentation einer neuen Studie zur Umsetzung der BIS 2030-Strategie der Bundesregierung. Doch noch immer kennen nur schätzungsweise 88 Prozent der Menschen mit HIV in Deutschland ihren Status. Das erste der drei UNAIDS 90-90-90-Ziele wird daher weiterhin verfehlt.1 Auch deshalb äußerte Häussler die Prognose, dass die Ziele der BIS 2030-Strategie nur noch teilweise erreicht werden können.

(v.l.n.r.: Robin Rüsenberg, Christian Thams, Bertram Häussler, Holger Wicht, Tilmann Warnecke)

Risiken und Chancen der Covid-19-Pandemie

Dazu trägt ebenfalls bei, dass die Covid-19-Pandemie die Versorgung von Menschen mit HIV erschwert. Claudia Schmidtke (CDU), die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, zeigte am Beispiel der Aidshilfe in Sachsen-Anhalt auf, dass sich Covid-19 negativ auf die Testraten auswirkt und man für das kommende Jahr eine Zunahme der Fälle befürchten muss. Alle geladenen Expertinnen und Experten machten sich dafür stark, dass aus der Covid-19-Pandemie unbedingt Lehren für den Kampf gegen HIV gezogen werden sollten. Schließlich bedarf es hier stärkere politische Bemühungen. Laut Christian Thams von Gilead Sciences zeigt Covid-19 eindrücklich, wie wichtig das Testen für die Unterbrechung von Infektionsketten ist. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf dringend benötigte Maßnahmen gegen die Stigmatisierung von HIV, da diese auch weiterhin Menschen von Screening und Testung abhält.

(v.l.n.r.: Hendrik Streeck, Stephan-Andreas Casdorff, Tilmann Warnecke)

Politischer Wille als Schlüssel zum Erfolg

Die Forderung nach mehr politischen Bemühungen wurde auch in den Videobotschaften mehrerer Community-Organisationen deutlich. Vertreten waren das Deutsche Expertennetzwerk HIV/Hepatitis (DCAB), die Berliner Aids-Hilfe, der Verein pro plus Berlin, aktHIV.de sowie der Verband der Opfer des Blutskandals (VOB). Auch Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen), Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, betonte die wichtige Rolle der Politik. Sie wies darauf hin, dass ein umfassender Zugang zu einer guten Versorgung geschaffen werden muss. Laut Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe gilt dies in besonderer Weise für Menschen aus Risikogruppen, denen dieser Zugang noch zu häufig verwehrt bleibt. „Wenn es den politischen Willen gibt, Pandemien zu bekämpfen, dann gibt es auch die Möglichkeit dazu“, betonte der Virologe Hendrik Streeck. Er teilte zudem seine Hoffnung auf ein neues Momentum für die HIV-Forschung sowie die damit verbundenen Innovationen.

Mehr Informationen auf der Veranstaltungsseite des Tagesspiegels

Referenzen

  1. RKI Epidemiologisches Bulletin 48/2020.

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