HIV

Aus der COVID-19 Pandemie lernen – HIV bis 2030 eindämmen

Das deutsche Gesundheitssystem hat während der Corona-Pandemie gezeigt, wie belastbar es ist. Durch energisches und entschlossenes Handeln konnten die schlimmsten Folgen der Pandemie zum Teil abgemildert werden. Aus diesen Erfahrungen können wir wichtige Erkenntnisse für die Bekämpfung weiterer Infektionskrankheiten ziehen. Denn die HIV-Epidemie greift in Deutschland und der Welt weiter um sich.

Deutschland erreicht erstmals 90-90-90 Ziele der Vereinten Nationen

Deutschland hat 2020 zum ersten Mal knapp die sogenannten 90-90-90 Ziele erreicht. Das bedeutet, dass schätzungsweise 90 Prozent der Menschen mit HIV in Deutschland ihren Status kennen. Von diesen werden 97 Prozent mit einer antiretroviralen Therapie behandelt. Bei 96 Prozent der Behandelten hat die Therapie das Virus unter die Nachweisgrenze im Blut gedrückt.

Dass Deutschland 2020 erstmals alle drei 90 Ziele erreicht, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Damit dürfen die deutschen Bemühungen allerdings nicht enden. Auf globaler Ebene hat UNAIDS 2021 bereits neue Zwischenziele zur Bekämpfung von HIV bis zum Jahr 2025 aufgestellt.1 So wurden die ursprünglichen 90-90-90 Ziele jeweils auf 95 Prozent erhöht.

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Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die UNAIDS-Ziele in Deutschland

Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte die Corona-Pandemie auf die in Deutschland gemeldeten HIV-Neudiagnosen im Jahr 2020 einen wesentlichen Einfluss.2 Dies führt das RKI unter anderem auf verringerte Mobilität sowie auf einen Rückgang der Zahl der Sexualpartnerinnen und -partner zurück.  Außerdem wird ein Rückgang von Testangeboten und Testnachfrage vermutet, wodurch die Zahl der Screening-Untersuchungen bei symptomlosen Personen gesunken ist.3 Dabei ist eine frühzeitige Diagnose ein entscheidendes Mittel zur Eindämmung von Infektionskrankheiten.

HIV-Infektionen frühzeitig diagnostizieren

In Deutschland wissen immer noch 10% der Menschen mit HIV nichts von ihrer Infektion. Eine Folge davon ist eine hohe Zahl von Personen, deren HIV-Infektion erst spät diagnostiziert wird (“Late Presenter”). Bei diesen Menschen liegt bereits ein fortgeschrittener Immundefekt oder das Vollbild AIDS vor. Hierzulande werden 35% der HIV-Diagnosen in einem späten Stadium gestellt, 18% sogar erst im Endstadium AIDS.4 Eine verspätete Diagnose könnte jedoch oft vermieden und Infektionsketten so frühzeitiger unterbrochen werden. Eine Schlüsselrolle bei einer möglichst frühen HIV-Diagnose kommt den Hausärztinnen und Hausärzten zu, da dort das größte Potential zur frühen HIV-Testung liegt.5 Diese Gruppe muss vermehrt für die Testung auf HIV sensibilisiert werden.

Diskriminierung und Stigmatisierung beenden

Laut einer Studie der Deutschen Aidshilfe leiden Menschen mit einer HIV-Infektion stärker an Diskriminierung und Stigmatisierung als an der Krankheit selbst.6 Besonders problematisch ist die Diskriminierung im Gesundheitsbereich. 56% der Befragten gaben an, im Gesundheitsbereich in den letzten Monaten mindestens eine negative Erfahrung aufgrund von HIV gemacht zu haben. Die Folge: Betroffene legen nicht immer Ihren HIV-Status offen, was deutliche Nachteile bei der Behandlung nach sich ziehen kann.7 Die Sensibilisierung für die Themen Diskriminierung und Stigmatisierung müssen verstärkt Einzug in die Ausbildung im Gesundheitsbereich finden. Sie gehören noch immer zu den größten Barrieren bei der Beendigung der HIV-Epidemie.

Flächendeckenden Aktionsplan zur Eindämmung von HIV entwickeln

Damit die Bekämpfung von HIV in Deutschland noch mehr Schwung aufnimmt, braucht es einen Aktionsplan, der das Zusammenspiel auf allen politischen Ebenen gewährleistet und konkrete Standards und Maßnahmen definiert. Das IGES Institut hat dazu 2021 einen Studien-Report* veröffentlicht, der konkrete Maßnahmen beschreibt, mit deren Hilfe HIV in Deutschland bis 2030 eingedämmt werden könnte. Die Bundesregierung hat nun die Chance, diese Maßnahmen zum Wohle der Allgemeinheit umzusetzen.

 

*Der Report wurde im Auftrag der Gilead Sciences GmbH durch das IGES Institut unabhängig erstellt. Er kann hier abgerufen werden.

Zusätzliches Informationsmaterial zum Download

HIV-Politik in Deutschland: Ambitionierte Ziele erneuern und bis 2030 erreichen

Politischer Newsletter aus der „Gilead im Dialog“-Reihe

Mehr vorbeugen, mehr behandeln

Studie zur Umsetzung der „BIS 2030“-Strategie
IGES Institut

Die Epidemie beenden

Eine Bestandsaufnahme der HIV-Politik in Deutschland mit Empfehlungen zur Verbesserung der Lebensumstände von Menschen, die mit HIV leben bzw. einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind. KPMG 2019

Referenzen

  1. UNAIDS (2021): Global Aids Strategy 2021-2026 https://www.unaids.org/sites/default/files/media_asset/global-AIDS-strategy-2021-2026_en.pdf (letzter Zugriff November 2021)

  2. Robert Koch-Institut (2021): Epidemiologisches Bulletin 31 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/31_21.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: November 2021)

  3. Robert Koch-Institut (2021): Epidemiologisches Bulletin 31 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/31_21.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: November 2021)

  4. Robert Koch-Institut (2021): Epidemiologisches Bulletin 47 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/47_21.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: Juli 2022)

  5. Valbert et. al. (2021): HIV-Epidemiologie in Deutschland: Späte Diagnostik https://www.aerzteblatt.de/archiv/221760/HIV-Epidemiologie-in-Deutschland-Spaete-Diagnostik (Letzter Zugriff: November 2021)

  6. Deutsche Aidshilfe (2021): positive stimmen 2.0 https://hiv-diskriminierung.de/sites/default/files/documents/broschuere_finale_version.pdf (Letzter Zugriff: November 2021)

  7. Deutsche Aidshilfe (2021): positive stimmen 2.0 https://hiv-diskriminierung.de/sites/default/files/documents/broschuere_finale_version.pdf (Letzter Zugriff: November 2021)

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